Nachrichten
Aussendung:
anlässlich der Aussendung von 50 Studierenden wurde drei Tage lang gefeiert
Ehemaligen-WE 2010
Markus Schneider schreibt:
"Ehemaligentreffen ist wie nach Hause kommen zu Mutti..."


Fünf Tage wohnen unter freiem Himmel
Kasseler Wohnzimmer 2008
"Holt die Sofas raus – baut die Sofas auf! Was, warum? Weil Kassel einfach Sofas braucht! Wenn die Menschen nicht zu Gott kommen, kommt Gott zu den Menschen. Ich glaub’ echt Gott will Kassel mit diesem Wohnzimmer beschenken." Davee
Vom 9. bis 13. Juli bot sich den Bewohnern Kassels mal wieder ein außergewöhnliches Szenario im Herzen ihrer Stadt. Vor dem Staatstheater, wo sonst nur Parkbänke und grüne Wiesen sind, stehen plötzlich Sofas, Sessel, Regale, Liegestühle und Stehlampen. Es hat wieder begonnen – das Kasseler Wohnzimmer (KW).
Seit 2003 tragen einmal jährlich etwa 30 junge Leute des CVJM-Kollegs, Jesusfreaks, FEG, EC und SMD Zimmermöbel unter den freien Himmel. Die Idee dazu kam, als sich Kolleg-Studenten Gedanken machten, wie man auf eine andere, kreative Art und Weise evangelisieren kann. Inspiriert von anderen evangelistischen Aktionen und einem Fernsehwerbespot kam die Idee:
"Wir tragen einfach unser Wohnzimmer auf die Straße und leben unser Christsein weiter."
Gesagt, getan! Jesusfreaks und Kolleg-Studenten packten ihre Möbel und trugen sie in die Fußgängerzone. Das erste KW (2003) sah mit den damaligen verranzten Sofas noch ziemlich Hippie-mäßig aus. Aber in den darauf folgenden Jahren spendeten Freunde, Studenten und IKEA viele richtig schicke Möbel. Das Wohnzimmer wurde attraktiver, nun ist es "ne richtig coole Location".
Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene bewohnten das Freiluftwohnzimmer. Da sie sonst auch jeden Tag in der Stadt abhängen, war das Wohnzimmer für sie genau richtig.
Sie chillten, hörten Musik oder tranken Kaffee - erst einmal nichts anderes als in dem eigenen Wohnzimmer.
Wem das aber zu langweilig war, konnte eines der vielen Extra-Angebote wahrnehmen: Es gab einen Graffiti-Workshop von Art4Jesus.de, einen Box- und Selbstverteidigungstraining und ein Massageangebot. Die ganz Sportlichen tobten sich am Volleyball, Streetball oder Fußballfeld aus. Am Abend gab es frische "Roster" (Bratwürste) vom Grill.
Aber nicht nur Jugendliche waren da, auch Obdachlose, Migranten, junge Familien, Senioren, Alleinstehende und "Krawattenträger" schauten vorbei. Dies ist auch seit vielen Jahren ein Grundsatz des KW’s: Jeder ist willkommen, egal ob Penner oder Banker. Dieser Grundsatz wurde auch dieses Jahr wieder lebendig. Beispielsweise bei einem Volleyballspiel, als ca. vier Leute aus unterschiedlichen sozialen und szenemäßigen Schichten friedlich den Ball durch die Lüfte schmetterten.
Jeden Tag gab es auf der Bühne einen musikalischen Leckerbissen:
Donnerstagnachmittag gehörte die Bühne dem Rapper Davee und seinen Hip-Hop-Kollegen von Alpha-Records Hannover. Sie regten viele durch die Texte zum Nachdenken an. Am Abend wurde es elektonischer: DJ Albrecht Lorenz legte House und Electro auf. Freitagabend war die Bühne den Besuchern vorbehalten: "Open Stage"! Vor allem junge Rapper aus Kassel dominierten an dem Abend, aber auch Kleinkünstler waren vertreten. Samstag- und Sonntagabend gab es passend zum Sonnenuntergang Unplugged-Konzerte von Strive und Echtzeit. Letztere Band schaffte es sogar, die Bewohner aus den gemütlichen Sofas herauszureißen und startete die größte Rockkonzert-Simulation der Welt.
Ziel der Aktion ist es nicht, einfach nur die Leute zu bespaßen und ihnen fünf Tage ein bisschen Abwechslung vom tristen Alltag zu bieten. Das KW möchte die jungen Menschen in dem Wohnzimmer zum Nachdenken anregen. Zum Nachdenken über ihr Leben, über den Glauben, über Beziehungen, über Drogen, Gewalt, etc.
Dies geschieht auf ganz vielfältige Arten. Zum einen gibt es ab und zu Kurzandachten auf der Bühne oder es wird ein Bibeltext vorgelesen, untermalt von chilliger Musik. Auf den Tischen liegen zum anderen christliche Zeitungen und Zigarettenschachteln voller Segenssprüche. In den Regalen gibt es Bibeln, die mitgenommen werden können. Eine Couch-Ecke wurde etwas abseits aufgebaut. Hier gab es einen Vogelkasten, in den die Bewohner anonym Gebetsanliegen einwerfen konnten. Zusätzlich hingen an der Pavillonwand Impulse zu verschiedenen christlichen Themen: "Beten", "Was ist Glaube" u.s.w.
Ein Bewohner, der sich bereits verabschiedet hatte und sich schon auf dem Nachhauseweg befand, kam noch mal wieder und meinte "Oh Mann, ich hab noch was vergessen!", schnappte sich eine der Bibeln und verschwand. Ein Älterer drückte einem Mitarbeiter spontan zwei Euro als Spende in die Hand, weil er begeistert von der Aktion war. Er konnte es nicht fassen, dass sich junge Christen so selbstlos für die Jugend der Stadt engagieren.
Viele Mitarbeiter gehen begeistert an die Aufgaben ran. Sie möchten die Liebe, die sie durch Christus erfahren haben, in die Welt tragen. Das tun sie ganz unterschiedlich: hinter der Bar, bei den Werbeaktionen, im Gespräch und Gebet mit Bewohnern, mit der Deko, an der Technik und, und, und.
In die Welt getragen wurden nicht nur Jesu Liebe, sondern auch neun Sofas, dazu einige Sitzhocker, Couchtische, Regale, Sitzkissen und Sessel. Diese wurden jeden Tag neu aufgebaut. Eigentlich könnte man einen Umzugsservice gründen, aber dafür bleibt keine Zeit. Wenn sich die Mitarbeiter von den Rückenschmerzen und Strapazen erholt haben, geht es im Herbst wieder mit den Vorbereitungen des nächsten Wohnzimmers los. Denn auch im nächsten Jahr wird dieses einzigartige Open-Air-Wohnzimmer in Kassel aufgebaut.
Albrecht Lorenz






